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Die Veranstaltung des goerzallee e.V. zum Thema „Inklusion“ warf fragen auf

Geht es um fortschrittliche Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, ist Steglitz -Zehlendorf führend im Vergleich zu anderen Berliner Bezirken. Viele Menschen mit Beeinträchtigung verschiedener Ausprägung gehen hier zur Schule, zur Arbeit oder machen eine Ausbildung. Grund genug für den Goerzallee e.V., aktuellen Entwicklungen der Inklusion im Berliner Südwesten mit einer Podiumsdiskussion Platz einzuräumen.

Die Veranstaltung mit dem vielversprechenden Titel „Inklusion Südwest – vom Schatten ins Licht“.am 15. Juni 2023, eröffnete Silvio Schobinger, Vorstandsvorsitzender des Netzwerkvereins Goerzallee e.V.. und Betreiber des Goerzwerk, mit folgendem Hinweis: „Auch das Goerzwerk ist ein Inklusions- und Integrationsstandort.“ Hier, so sei zu ergänzen, befinden sich nicht nur die „Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen“ (BWB). Auch in weiteren Betrieben sind Menschen mit Behinderung beschäftigt oder führen eigene Unternehmen.

Nach der Begrüßung bat Moderator Professor Dr. Frank Schaal, Chef des Regionalinkubators Südwest (RIK), vier Expert:innen auf das Podium. Fast anderthalb Stunden lang wurde angeregt debattiert, u.a. über: Inklusion als Lösungsansatz für Fachkräftemangel in Unternehmen, Bildungseinrichtungen als Sprungbrett für den Arbeitsmarkt, Inklusionsdienstleister im Spannungsfeld zwischen Alltag und Politik. 

Wer waren die Speaker auf dem Podium im Club Goerzwerk? 

Steffen Thomas, Leiter des Unternehmens „Berlin Delfin“ (vormals Joachim Lehmann), das er ganz bewusst einen „Fahrdienst für Mitmenschen“ nennt, weil er keinen Unterschied machen will zwischen Menschen, ob mit oder ohne Behinderung. ist selbst in Folge einer Frühgeburt beeinträchtigt. Er stellte klar: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Toleranz in der Öffentlichkeit präsenter wird.“ In seinem Fahrdienst beschäftigt er 40 Mitarbeitende, Tag für Tag werden 400 Mitmenschen befördert. „Die Familien mit beeinträchtigten Kindern sind sehr dankbar, dass unser Fahrdienst auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist“, so Thomas „Die Kinder leben im ganzen Stadtgebiet, wir müssen sie oft quer durch die Stadt fahren zu den Einrichtungen, in denen sie betreut werden. Da wäre es schon schön, wenn die Förderung gleich um die Ecke stattfindet.“

Dr. Claudia Nickel engagiert sich für eben solche Förderungen, die Steffen Thomas angesprochen hat. Die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Kita- und Schulfördervereine Berlin-Brandenburg steht in ständigem Kontakt mit Erwachsenen, um Kinder zu unterstützen. Sie erzählte vom Alltag an Einrichtungen, die nicht barrierefrei sind, in denen es zum Beispiel keine Fahrstühle gibt. Ihr Credo: „Dafür müssen politische Voraussetzungen geschaffen werden.“ Der Wille sei oft da. „Aber vieles klappt noch nicht. An diesen Stellen setzen unsere Fördervereine für Kinder und Jugendliche an.“ Ihre erfreuliche Beobachtung: „Schauen Sie sich die Kinder an, die machen unter sich überhaupt keine Unterschiede, egal, ob behindert oder nicht.“

Eines der fortschrittlichen Unternehmen, das Inklusion zur Geschäftsmaxime erklärt hat, ist zweifelsohne das KarmaKollektiv. Die Macher der Tee-, Kaffee- und Gewürzmanufaktur legen großen Wert darauf, Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Anderssein ist bei uns normal“, sagt Aron Murru, einer der beiden Geschäftsführer des erfolgreichen Startups mit Sitz im Goerzwerk. „Ich empfinde diesen Perspektivwechsel als Bereicherung.“ Er erzählt: „Unser Mitbegründer Sven hat seit seiner Geburt eine schwere Beeinträchtigung. Und doch ist er schon immer unser Kumpel. Diese Einstellung sollte auch im Arbeitsleben dazu gehören.“ Spontaner Beifall aus dem Publikum war die Reaktion. 

Die von Unternehmen wie dem KarmaKollektiv umgesetzte Vermittlung von Menschen mit Beeinträchtigung für den ersten Arbeitsmarkt ist auch das Ziel von Dirk Gerstle, ja sogar sein gesetzlicher Auftrag. „Es ist an uns, diesen Menschen die Teilhabe am Erwerbs- und Bildungsleben zu ermöglichen“, erklärte der Geschäftsführer der „Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen“ (BWB). Die Werkstätten sind über ganz Berlin verteilt, auch im Goerzwerk gibt es eine Dependance. „Wir haben 1600 Beschäftigte, und in diesem Jahr sind uns zwölf Überleitungen in den ersten Arbeitsmarkt gelungen“, sagt Dirk Gerstle. „Das mag wenig klingen, aber für uns sind es zwölf Erfolgsgeschichten.“

Emotionale Wortmeldungen aus dem Publikum

Hitziger wurde es an diesem lauen Sommerabend im Club Goerzwerk als aus dem Publikum der Sinn von Inklusion grundsätzlich in Frage gestellt wurde. „Ich bin selbst Vater einer behinderten Tochter“, wurde von einem Teilnehmer eingeworfen. Er argumentierte strikt gegen das Konzept der Inklusion. Diese führe zwar dazu, dass beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Kinder gemeinsam zu Schule gehen, „aber am Ende sind es doch immer dieselben, die nicht zu den Geburtstagen eingeladen werden“. Mit dieser aufwühlenden Aussage erntete er durchaus Zuspruch von anwesenden Müttern und Vätern.

Zwischen Diskussion und lockerem Get together wurde es zweimal kurz feierlich

Prof. Dr. Frank Schaal gratulierte Steffen Thomas zu seinem 40. Firmenjubiläum und zugleich zum neuen Firmenauftritt als „Berlin Delfin“. Anschließend nahm Dr. Claudia Nickel für ihren Einsatz dankend ein Spendenscheck in Höhe von 2.000 € entgegen. Wie bereits bei der letzten Spende seitens des Goerzallee e. V. für soziale Projekte im Berliner Südwesten, wurde der Scheck von Silvio Schobinger und Brigitte Märtens, Vorstandsmitglied des Goerzallee e.V., überreicht.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, diesen spannenden Abend möglich gemacht und bereichert zu haben. Das Thema „Inklusion“ ist noch lange nicht zu Ende diskutiert. Fortsetzung folgt. 

Danke an Matthias Gottwald (www.der-gottwald.de) für die fotografische Begleitung sowie Sven Goldmann für Textinspirationen.

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